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Bäume in der Stadt – So können wir ihnen in der Trockenheit helfen

Bei Hitze und Trockenheit leiden nicht nur Stadtbäume sichtbar. Jenni Gärtner hat für Deutschlandfunk Nova mit Christian Hönig, dem Baumexperten vom Bund für Umwelt- und Naturschutz, gesprochen und die wichtigsten Tipps zum Bewässern von Bäumen in Erfahrung gebracht.

Braune Blätter und hängende Äste sind sichtbare Zeichen des Leidens der Bäume in den immer häufiger auftretenden Perioden von Trockenheit und Hitze. Dass diese Qualen gemildert werden müssen steht für Paumpaten ausser Frage. Aber wie oft soll gegossen werden und welches Wasser verwendet Mensch am Besten? Muss es wirklich das aufwendig aufbereitete Trinkwasser sein oder gibt es vielleicht auch nachhaltigere Alternativen? Christian Hönig sagt es eignet sich beinahe jedes Wasser, das frei von Salz, Spülmittel und Chemie ist. Sein Tipp ist im Haushalt Wasser zu sammeln, das etwa beim Gemüse waschen anfällt. Dadurch wird aufwändig aufbereitetes Trinkwasser gespart. Bei Straßenbäumen sollte nach seiner Einschätzung einmal in der Woche mit acht bis zehn Eimern gegossen werden.

Ältere Bäume haben sich häufig bereits über ein ausgedehntes Wurzelwerk den Zugang zu Quellen im Grundwasser erschlossen. Frisch gepflanzte Bäume werden dagegen, in Berlin, häufig noch von den Grünflächenämtern bewässert. Am ehesten benötigen deshalb jüngere und mittelalte Bäume unsere Unterstützung. Wichtig: Die Wurzeln sollen durch das Giessen in die Tiefe gelenkt werden, deshalb sollte nach der Wässerung dass kostbare Nass auch in den tieferen Schichten des Bodens ankommen. Der Boden sollte deshalb gut durchtränkt sein um den Wurzeln einen Anreiz zu bieten sich nach unten, tief in den Boden, auszubreiten.

Wassersäcke haben einen guten Nutzen für junge Bäume weil dadurch direkt der noch nicht besonders ausgeprägte Wurzelballen befeuchtet wird. Auch kleinere Mengen gesammelten Wassers lassen sich damit gut dosieren, ohne dass jedes Mal gewartet werden muss bis ein ganzer Eimer gefüllt ist. Weil das Wasser aus den Säcken aber vor Allem in der Oberfläche des Bodens bleibt und nicht das Wurzelwachstum in die Tiefe anregt sollten diese aber maximal drei bis fünf Jahre nach der Pflanzung eingesetzt werden. 

Vorteilhaft ist es ausserdem einen Giessrand rund um den Baum anzulegen, also kleine Staudämme die das Giesswasser dicht am Baum halten und so das Versickern in die Tiefe unterstützen. 

Weil das Wässern viel Zeit in Anspruch nimmt rät Christian Hönig dazu Gruppen mit Gleichgesinnten zu gründen. Um direkte Sonnenbestrahlung des Bodens und dadurch ein schnelles Austrocknen des Bodens zu verhindern wird empfohlen die Baumscheiben zusätzlich zu bepflanzen. Neben dekorativen Vorteilen durchlockern Pflanzen rund um den Baum den Boden und begünstigen dadurch die Aufnahme von Wasser. 

Vom Pflanzen exotischer, hitzeresistenter Bäume rät der Baumexperte ab. Exotische Bäume sind häufig noch nicht ausreichend an die regionale Flora und Fauna angepasst, oder es werden häufig auch ökologische Probleme importiert, weil das lokale Biotop noch nicht ausreichend angepasst ist. Der Vorteil des geringeren Wasserverbrauchs wird meist schnell aufgewogen wenn hier heimische Insekten (Stichwort Insektensterben) die ökologischen Dienste des Exoten nicht nutzen können und keinen Lebensraum in deren Umfeld finden. In der Regel werden stattdessen häufig ökologische Probleme importiert. Z.B. die Anpflanzung der vor knapp 400 Jahren aus dem Balkan über die Alpen nach Deutschland übersiedelten Rosskastanie hat dazu geführt dass die Rosskastanienminiermotte sich in Deutschland beinahe ungehindert ausbreiten konnte, weil natürliche Feinde der Motte hierzulande nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind. Im Zusammenspiel mit den durch Hitze geschwächten Kastanien ist die Verbreitung der Motte ein großes Problem für den einheimischen Bestand und die Zukunft der Kastanien in Deutschland. 

Das vollständige Interview läßt sich im Web Angebot des Deutschlandfunks abrufen:

Bäume in der Stadt – So können wir ihnen in der Trockenheit helfen